Bernhard Wehde (Conrata) spricht über seine Erfahrungen in der Führung von Krankenhäusern in verschiedenen Trägerschaften.
von Annerose Fischer-Bucher (Journalistin)

Die Krankenhausfinanzierung ist ein heiß umstrittenes Thema, denn es geht nicht nur um eine möglichst gute Patientenversorgung, sondern auch um Wirtschaftlichkeit und angemessene Bezahlung im Zusammenhang mit verschiedenen Krankenhausträgern. Es gibt in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion immer wieder ein Gezerre in Richtung Privatisierung oder Rekommunalisierung.

„Wir brauchen eine ausgleichende Lösung, die im Mix einer Trägervielfalt liegt und die das Gesetz auch vorsieht“, sagt Bernhard Wehde vom Stuttgarter Beratungsunternehmen Conrata. Für den besonders geschützten Bereich Gesundheit sei die Trägervielfalt die Lösung und nicht das Problem. Wir sprachen im Interview mit Wehde, für den es darum geht, die Vorgaben und die Idee des Krankenhausfianzierungsgesetzes des Bundes (KHG) von 1972/1991/2003 zu leben.

Fischer-Bucher: Sie haben Krankenhäuser in ganz verschiedenen Trägerschaften geführt. Welche sind das?

Wehde: Ich habe Krankenhäuser in privater, frei gemeinnütziger und öffentlich-rechtlicher Trägerschaft geführt. Es wird darüber gestritten, welche die beste Trägerschaft ist und über die Finanzierung.

Beste Trägerschaft für gute medizinische Versorgung?

Fischer-Bucher: Welche ist nach Ihrer Meinung die beste für eine gute medizinische Versorgung und wirtschaftlich solide?
Wehde: Im Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) von 1991 stehen die Leitplanken für die Trägerschaften und die Finanzierung des Gesamtkrankenhausversorgungssystems. Ich bin ein Fan dieses Gesetzes, weil sich meine Erfahrungen mit den Intentionen des Gesetzes decken.

Fischer-Bucher: Erklären Sie uns, was im KHG steht, und was sie dort so gut finden …
Wehde: Das Wichtigste ist die Vielfalt der Krankenhausträger. Alle drei Träger – private, frei gemeinnützige und öffentlich-rechtliche – sollen in der Versorgung im Rahmen der Krankenhauspläne der Länder beachtet werden. Ein begrenzter Wettbewerb untereinander, innerhalb des besonders geschützten Gesundheitsbereichs, ist zugelassen. Ein begrenzter Wettbewerb gewährleistet Wirtschaftlichkeit und sozial tragbare Pflegesätze.

Wie sieht es mit der Krankenhausfinanzierung aus?

Fischer-Bucher: Und wie sieht es mit der Finanzierung aus?
Wehde: Die ist im Grunde ganz einfach angelegt. Die Betriebskosten einschließlich der Kosten fürs Personal sind von den Patienten über ihre Krankenkassen zu tragen. Die notwendigen Investitionen tragen die Bundesländer.

Fischer-Bucher: Sind hier nicht die öffentlich-rechtlichen Träger im Vorteil, da die öffentliche Hand hier selbst die Versorgungsaufträge und Förderungen von Investitionen vergeben und andererseits Defizite übernehmen kann?
Wehde: Das ist ein ganz heißes Eisen und hier wird auch viel gestritten. Die jahrelange Defizitfinanzierung vieler öffentlicher Krankenhäuser durch deren Träger ist den anderen beiden Trägertypen ein Dorn im Auge.

Aber es gibt ja auch Vorwürfe an die privaten Träger …

Fischer-Bucher: Aber es gibt ja auch Vorwürfe an die privaten Träger …
Wehde: Ja, manche öffentliche Häuser werfen den privaten Trägern vor, dass sie sich bei den Versorgungsaufträgen die Rosinen rauspicken, und dass damit nicht verdient werden dürfe, denn Krankenhausleistungen dienten schließlich der Daseinsfürsorge.

Fischer-Bucher: Sind die Vorwürfe berechtigt?
Wehde: Ein klares Nein. Im KHG sind diese Dinge klar geregelt.

  1. Gewinne von privaten Häusern sind grundsätzlich rechtens, sie stehen den Trägern zur Verfügung und eine Zweckbindung für Gewinne aus Pflegesätzen besteht nicht. („Überschüsse verbleiben dem Krankenhaus, Verluste sind vom Krankenhaus zu tragen.“ §17 Abs.1, KHG). Bei den Investitionsfördermitteln der Länder ist es allerdings anders.
  2. Die Versorgungsaufträge der Länder an Krankenhäuser haben das Ziel, Patienten und Bevölkerung qualitativ hochwertig und mit sozial tragbaren Pflegesätzen zu versorgen. Diese Krankenhäuser sollen leistungsfähig sein und eigenverantwortlich wirtschaften (KHG).
  3. Die Vergütungen sollen grundsätzlich leistungsgerecht sein. Darüber verhandeln ja die Krankenhäuser mit den Kostenträgern im Rahmen der Vorgaben.
  4. Die wirtschaftliche Sicherung frei gemeinnütziger und privater Krankenhäuser ist nach Maßgabe des Landesrechts zu gewährleisten.

Sind die gesetzlichen Regelungen vernünftig und zielführend?

Fischer-Bucher: Bedeutet dies, dass die gesetzlichen Regelungen vernünftig und zielführend sind?
Wehde: Ja, wenn die Krankenhäuser ihre Aufträge qualitativ und wirtschaftlich verlässlich erbringen und die Länder ihren Investitionsverpflichtungen nachkommen. Aber ein vernünftiges Gesetz ist das eine und die Ausführung des Gesetzes das andere.

Fischer-Bucher: Ist also ein Streit über diese Fragen ein Streit um Kaisers Bart?
Wehde: Die gesetzlichen Regelungen sind aus meiner Sicht umfassend und gut. Aber es bleibt natürlich trotzdem viel Raum für Verhandlungen und Auseinandersetzungen.

Fischer-Bucher: An welche Probleme denken Sie hier?
Wehde: Da gibt es eine ganze Menge. Wie viele Krankenhäuser, Betten und Fachabteilungen sind an welchen Orten nötig? Wann ist eine Vergütung unter Berücksichtigung der qualitativen Vorgaben leistungsgerecht? Ist die Vergütung leistungsgerecht, wird aber schlecht gewirtschaftet? Ist die Vergütung nicht leistungsgerecht und sind deshalb keine ausgeglichenen Ergebnisse erreichbar? Welcher Vorhaltefaktor ist in die Vergütung einzubeziehen? Wie fließen Größe, Lage, Lohnniveau und Bedarfskennzahlen in die Vergütung ein? Nach welchen Kriterien und mit welchen Konsequenzen ist die geforderte qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten zu beurteilen? Welche Investitionsmittel der Länder sind notwendig und was passiert, wenn die Länder das Notwendige nicht vergeben (können)? Zusammengefasst könnte man sagen: Es geht um Strukturqualität und Ergebnisqualität.

Fischer-Bucher: Sie haben ja Erfahrungen mit allen drei Krankenhausträgern und sind auch in der Stuttgarter  Conrata in der Beratung tätig. Worüber beraten Sie?
Wehde: Wir bieten strategische Unterstützung mit Rat und Tat für die Krankenhausentwicklungsplanung, für die wirtschaftliche Sicherung, für Prozess-Organisation und für die Bildung von synergiereichen Behandlungsketten.

Vielen Dank für das Gespräch.


Annerose Fischer-Bucher, Stuttgart, 10.11.2020